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Thunar Automount unter ArchLinux

Kurztipp: Automount des Dateimanagers Thunar unter ArchLinux einrichten.

Es scheint gar nicht so einfach zu sein, den XFCE-Dateimanager Thunar so einzurichten, dass die automatische Einbindung von USB-Sticks und anderen Gerätschaften (sog. Automount) korrekt funktioniert. Jedenfalls legen das einige Postings im Internet nahe. Im Übrigen sind auch die Informationen im Arch-Wiki unzureichend, der zentrale Punkt fehlt. Auch die sonst im Internet verfügbaren Ressourcen scheinen eher nicht zielführend zu sein, sodass ich die konkret erforderlichen Schritte hier festhalte.

Zunächst das Problem. In kleineren Desktopumgebungen bzw. wann immer man nicht auf die großen Umgebungen wie XFCE, KDE, GNOME, etc. setzt, ist man darauf verwiesen, den Dateimanager, sofern man denn einen wünscht, von Hand bei Sitzungsstart auszuführen, oder nachträglich wann immer man ihn benötigt. Das geschieht im Falle von Thunar einfach über den Befehl thunar (sollte man meinen). So außerhalb der XFCE-Umgebung gestartet weigert sich Tunar allerdings, USB-Geräte einzubinden. Steckt man bei laufendem Thunar einen USB-Stick ein, so passiert in der GUI genau gar nichts, insbesondere taucht der Stick nicht als Gerät in der Geräteliste auf. In der Konsole erscheint folgende Ausgabe:

$ thunar
[ Gerät anstecken ]
thunar-volman: Nicht unterstützter USB-Gerätetyp "usb".
thunar-volman: Nicht unterstützter USB-Gerätetyp "usb-storage".
thunar-volman: Unbekannter Blockgerätetyp "disk".
thunar-volman: Konnte den zum Gerät gehörenden Datenträger nicht erkennen.

Die ersten drei Meldungen sind dabei unschädlich, sie erscheinen auch bei funktionierendem Automount. Lediglich die letzte indiziert ein Problem, hilft bei seiner Behebung aber nur sehr bedingt weiter.

Der Lösung erster Teil besteht darin, die folgenden Pakete zu installieren:

Oft verschwiegen wird das Paket „udisks2“, das aber essentiell ist, da es die eigentliche Einbindungsfunktionalität bereitstellt. Das veraltete „udisks“ (in Version 1) genügt nicht. Stattdessen oft erwähnt, aber völlig unnötig ist das Paket „polkit-gnome“, das Automounting funktioniert hervorragend auch ohne dieses Paket (selbst getestet). Ebenso unnötig wie häufig vorgeschlagen ist die Mitgliedschaft des eigenen Nutzeraccounts in der Gruppe storage. Dies ist (auch getestet) nicht erforderlich.

Was dagegen als der Lösung zweiter Teil zwingend erforderlich ist, aber fast nirgends beschrieben wird, ist, dass es nicht genügt, Thunar über den Befehl thunar auszuführen. Vielmehr muss dies so erfolgen:

$ dbus-launch thunar

Wer sich das nicht merken möchte, kann auch gleich die ganze Sitzung mit dbus-launch starten. Dazu muss in der Datei ~/.xinitrc das Startkommando entsprechend angepasst werden, also etwa:

dbus-launch openbox

Wer X11 nicht über die Konsole mit startx, sondern über einen Login-Manager startet, muss stattdessen dessen Konfiguration anpassen. Gleichwie ist danach der explizite Aufruf von dbus-launch vor thunar nicht mehr nötig und das bloße Kommando thunar genügt (nachdem die Sitzung neu gestartet wurde).

Nach Ausführen dieser Schritte sollte Thunars Automount korrekt funktionieren. Wenn nicht, lohnt ein Blick in die Konfiguration des Automount-Managers „thunar-volman“, die erreichbar ist über das GUI-Menü „Bearbeiten → Einstellungen → Fortgeschritten → Datenträgerverwaltung → Verwaltung (Link anklicken)“.

An diejenigen, die die Verwendung von externen Automount-Dæmons wie „udiskie“ vorziehen: Das geht grundsätzlich auch, und tatsächlich funktioniert „udiskie“ mit „udisks2“ (über die Option -2) sogar recht gut. Leider nicht unterstützt wird jedoch das Android-Datenprotokoll MTP, sodass man zwar USB-Sticks anschließen und automounten kann, nicht jedoch Android-Telefone (was für mich aber wichtig ist). Thunars Automount verfügt dagegen über diese Funktionalität.

Valete.